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    Stefan Baecke, CEO von Yespers — eine Fabrik, die sich verantwortlich fühlt

    Yespers ist ein Unternehmen in Den Haag, Niederlande, das Äpfel in viele verschiedene Produkte verwandelt und versucht, immer mehr Menschen in der Lebensmittelproduktionskette von Nachhaltigkeit profitieren zu lassen und gleichzeitig Abfall und Emissionen zu reduzieren. Viel Glück! 

    https://www.yespers.com/

    Gibt es irgendetwas auf dieser Welt, das Ihnen noch Hoffnung gibt?

    Oh, die tiefgründigen Fragen zuerst.

    Entschuldige. Ich bin ein bisschen deprimiert, was die Welt angeht. Es wird schon wieder.

     Ich denke, bei Hoffnung geht es um Verantwortung – man kann entweder verzweifeln und den Kopf hängen lassen oder man kann sich überlegen, was man selbst dazu beitragen kann, um auf etwas Positiveres hinzuarbeiten. Für mich geht es darum, an etwas zu arbeiten, das ich für sinnvoll halte.

    Tu, was du liebst! Für Sie bedeutet das, das Konzept einer Fabrik neu zu erfinden. Anstatt aus vielen Ressourcen eine Sache herzustellen, wobei die meisten Ressourcen weggeworfen werden, stellen Sie aus einer Ressource – in Ihrem Fall Äpfel - viele Dinge her. Sie sagen, dass Sie Abfall vermeiden, Emissionen reduzieren und dabei gesunde Lebensmittel herstellen.

    Wir beginnen mit dem Apfel. Wenn man seine Vision von dem, was man herstellt, ändert, muss man ein völlig neues Geschäftsmodell aufbauen. Wenn man nur Apfelsaft herstellt, bleibt das Fruchtfleisch übrig, und der beste Teil des Apfels ist das Fruchtfleisch. Also trocknen wir das Fruchtfleisch, machen daraus Apfelpulver und verwenden das Pulver zur Herstellung von Keksmehl. Das Fruchtfleisch macht etwa 25-30 % eines Obststücks aus, und hier liegen unsere größten Einsparungen.

    Dann pressen wir die Apfelsamen für Apfelsamen-Öl – das etwa 200 Euro pro Liter wert ist – und verwenden die Stängel in Teemischungen. Das reduziert auch unsere Emissionen, denn wenn man Obst wegwirft, wird Methan freigesetzt. Da wir den ganzen Apfel verwenden, verbrauchen wir weniger Land und weniger Wasser und haben somit weniger negative Auswirkungen auf das Ökosystem.

    Warum ist es falsch, Apfelsaft einfach auf die alte Art und Weise herzustellen?

    Wenn man ein normales Unternehmen für Fruchtsäfte ist, denkt man, dass der Wert nur im Saft liegt und der Rest ein Problem ist, dass nur Kosten verursacht – das bedeutet immer, dass der finanzielle Anreiz darin besteht, den Abfall wegzuwerfen. Aber all diese Dinge mussten produziert oder angebaut werden. Das ist eine Wertvernichtung. Für uns liegt der Wert im Apfel.

    Sie sagen, dass Sie Ihren Produkten ihren „wahren Preis“ geben – was bedeutet das?

    Der übliche „Marktpreis“ beinhaltet nie den Preis für CO2-Emissionen oder die Nutzung von Land oder Wasser. Wenn normale Unternehmen versuchen, dieses Problem zu lösen, erhöhen sie ihren Verkaufspreis, um den von ihnen verursachten Schaden auszugleichen. Aber das ist kein gutes Modell, weil man damit Druck auf den Verbraucher ausübt. Anstatt dessen gucken wir auf unsere gesellschaftlichen Kosten und versuchen, sie so weit wie möglich an den Marktpreis heranzuführen. Wir als Fabrik übernehmen Verantwortung für das Ökosystem, anstatt diese Verantwortung weiter zu reichen.

    Wir unternehmen auch Schritte, um sicherzustellen, dass sich die Biodiversität verbessert, die Wasserqualität steigt und so weiter. Dabei brauchen wir die Zusammenarbeit der Landwirte. Die Landwirte müssen einen angemessenen Lebensunterhalt verdienen, um den Planeten nicht weiter auszubeuten, und auch etwas Spielraum haben, um sicherzustellen, dass ihr Boden auch in 10 oder 20 Jahren noch Erträge bringt.

    Aber mal ehrlich: Yespers ist nur ein kleines Unternehmen. Sie werden ja nie ändern können, wie große Saftunternehmen ihren Saft herstellen.

    Doch — ich weiß, dass das schon passiert. Ich kenne nicht viele Unternehmen, die absichtlich schlecht sind – genau wie bei Menschen. Als wir die Eröffnung der Fabrik ankündigten, erhielten wir positive Rückmeldungen von den traditionellen Branchen, die uns sagten: "Wir haben auch Nebenströme und möchten unseren Abfall zur Verarbeitung von etwas anderem verwenden. Könnt ihr uns dabei helfen?" Wenn man ihnen zeigt, dass es möglich ist, indem man eine Lösung auf den Markt bringt, beschleunigt dies den Wandel.

    Aber Sie sind trotzdem noch ein Unternehmen — Sie müssen doch Geld verdienen, wie alle anderen auch. 

    Ja, aber für mich bedeutet der Wert als Unternehmer nicht immer hohe Gewinnspannen und einen hohen Gehaltsscheck. Die Möglichkeit, Menschen zu beschäftigen, die Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, gibt einem auch persönliche Befriedigung und stellt ebenfalls einen Wert dar.

    Vorsicht, Sie klingen so, als wären Ihre Äpfel antikapitalistische Äpfel. Glauben Sie, dass im kapitalistischen System ein Systemwandel stattfinden kann?

    Die direkte Antwort wäre ja – aber nur, wenn wir uns erlauben, die Kosten der externen Effekte, die wir derzeit nicht in unsere Produkte einpreisen, einzubeziehen. Natürlich geht es im kapitalistischen System darum, Geld zu verdienen. Es ist ein Ausbeutungsmodell, das Geld als Maß verwendet – aber wenn wir anfangen, Geld zu verwenden, um den Missbrauch des Planeten und der Menschen zu bepreisen, dann könnte das kapitalistische System vielleicht auch ein Katalysator für mehr Nachhaltigkeit sein.

    Warum können wir kein System entwickeln, in dem wir Produkte oder Dienstleistungen belohnen, die die Umwelt und die Menschheit nur wenig belasten? Was wäre zum Beispiel, wenn wir das Mehrwertsteuersystem reformieren würden – so dass man mehr zahlt, je mehr Schaden man anrichtet? Ich denke, das System könnte sich selbst heilen.